Als wäre ich aus Glas – Hacker und unser zerbrechliches Leben

Anfang Januar 2019. Das neue Jahr beginnt mit einer Überraschung der bösen Art: "Berlin wird von einem gewaltigen Datenklau erschüttert, unbekannte Täter haben private Daten von etlichen Spitzenpolitikern, Entertainern und Journalisten veröffentlicht. Handynummern, Urlaubsfotos, Kontodaten, Chat-Auszüge. Das Regierungsviertel befindet sich in Aufruhr." (Handelsblatt, 4.1. 2019)

"(Der) Hacker hat mich gelehrt, was es bedeutet, wenn wir Menschen, unsere Infrastrukturen und unsere gesellschaftlichen Institutionen "wie aus Glas" sind. Transparent, manipulierbar und zerbrechlich."

Es ist bitter-ironisch, dass ausgerechnet ein "böser" britischer Hacker mir diese gefährlichen Verhältnisse - die Unglaublichkeit des Raubes der Privat-Sphäre in einer populistischen Kultur der Privatlosigkeit - im Jahre 2003, in London, vorausgesagt hatte. Selbiger Hacker hat mich dann selbst konsequent über Jahre gehackt, meine Daten, meine Computer, meine Handies, meinen Kopf und somit mein Leben manipuliert, und mich gelehrt, was es bedeutet, wenn wir Menschen, unsere Infrastrukturen und unsere gesellschaftlichen Institutionen "wie aus Glas" sind. Transparent, manipulierbar und zerbrechlich.

"Was für ein besseres Handwerkszeug kann es dazu geben als die unsichtbar machende Welt des Internet? In dieser Welt handwerken sie, gestalten sie ihre Psychopathien, und geben den selbigen "Gestalt"."

Für böse Hacker beginnt wie für alle Psychopathen alles mit einer Umkehr. Für sie ist die Welt böse und sie müssen in Kontrolle sein um dieser Welt Meister zu werden - dazu müssen sie den Rest der Welt konditionieren, oder auf techie-deutsch: programmieren. Was für ein besseres Medium und Handwerkszeug kann es dazu geben als die Welt der Computer, der Computer-Programme und die Schleierwelten des Internets? In dieser Spheren handwerken die Psychopathen dieser Tage mit vorliebe, gestalten sie ihren Irrsinn, geben den selbigen "Gestalt". Das liest sich nicht nur geisterhaft - man erlebt es auch so wenn man von den kriminellen Umtrieben solcher Menschen unmittelbar betroffen ist.

Laut Wikipedia bezeichnet Psychopathie heute "eine emotionale Störung, die bei den Betroffenen mit dem weitgehenden oder völligen Fehlen von Empathie, sozialer Verantwortung und Gewissen einhergeht. Psychopathen sind auf den ersten Blick mitunter charmant, sie verstehen es, oberflächliche Beziehungen herzustellen. Dabei können sie sehr manipulativ sein, um ihre Ziele zu erreichen. Psychopathie geht häufig mit antisozialen Verhaltensweisen einher, so dass in diesen Fällen oft die Diagnose einer dissozialen oder antisozialen Persönlichkeitsstörung gestellt werden kann."

In Bezug auf Hacking kommen hier mehrere Dinge hinzu. Zumal die Aspekte des Social-Hackings, also des Eingriffs ins gesellschaftliche Leben eines Menschen oder einer ganzen Bevölkerung durch digitale Mittel. Ein böser Hacker weiss sehr wohl was für soziale Schäden er (oder sie) den Menschen zufügt. Er beabsichtigt diese Schäden. Er kalkuliert sie voraus. Er ist kein jugendlicher Haudegen, oder ein Typ der ein bisschen auf Vandale machen möchte. Nein, er ist ein politischer Akteur. Oftmals in eigener Sache unterwegs, aber auch von grossem politischen Nutzen für Feinde der liberalen Demokratien. Eben jener liberalen Demokratien, die so viel Hoffnung auf Transparenz setzten und dabei ihre Kinder zu Offenheit, Toleranz, Verantwortung und Transparenz erzogen. Kinder wie mich eben. Zwar bin ich schon seit langem erwachsen, aber in eben in jenem Sinne erzogen. Leider waren es eben diese (schönen, sehr ehrhaften) Werte, die mich zum leichten Ziel für einem bösen, psychopathischen Hacker werden liessen. Die Institutionen die mich hätten schützen sollen, versagten und wurden stattdessen zu weiteren, nützlichen Instrumenten des Täters.

"Was mit mir geschah geschieht inzwischen mit Millionen Menschen jeden Tag."

Was mit mir geschah, geschieht mit Millionen Menschen jeden Tag. Ihre Instutionen versagen und sie sind den Manipulationen von bösen Hackern ausgeliefert. Schlimmer noch, die Instutionen werden in den Bann der Psychopathen gezogen und von ihnen übernommen. War Trumps Wahlsieg in den USA etwa kein "Hack"? Oder Bolsaneros in Brasilien? Kein Wunder, dass unsere Welt und unsere Gesellschaft in einer Krise stecken. Wir haben inzwischen ja sogar einen international bekannten Firmenboss einer sehr bekannten Datenklau-Firma der ganz offen hinausposaunt, worum es geht: "Move fast and break things". Bei solchen Gefahren für unsere Demokratie, frägt man sich doch, wieso wir immer noch solchen Autoren wie Michel Houellebecq und dessen Gerede über die "Unterwerfung der Demokratie unter die Scharia" so viel Gehör und Aufmerksamkeit geben. Die direkte Gefahr ist doch ganz woanders. Und die Unterwerfung unter dieselbe findet tagtäglich und ohne allzuviel öffentliche Aufmerksamkeit statt. Der Brexit und Trump und all die anderen Autokraten unserer Ära sind die Arbeit "böser Hacker". Sie hacken Wahlsysteme, PCs, eMail-Konten, die Gehirne der Menschen. Sie manipulieren, strategisieren, übernehmen. Sie setzen über Computer-Netzwerke mit Machiavelli-gleichen Methoden ihren Wahnsinn um.

Für mich persönlich hatte das Gehacke sehr rapiate Konsequenzen. Finanziell, emotional, geistig, sozial und körperlich. Ich verlor meinen Job, ich wurde als unglaubwürdig abgestempelt, ich wurde sozial isoliert, und ich verlor noch viel mehr als das. Zwar wurde es mir erspart, zutiefst private Daten auf dem Internet veröffentlich zu finden, aber ich wusste, dass ich ständig beobachtet werde und ich mich in einem Netzwerk der Manipulation und Überwachung befinde, und jemand anderes über mein Leben Kontrolle hat. In der Konsequenz suchte ich Schutz in meinem tiefen Inneren, in meinen geistigen Räumen, denn nur dort hatte ich Privatspähre und nur dort fand ich Rat und einen Weg hinaus aus dieser Hölle.

"Je verwundbarer unser Leib ist, umso mehr Schutz suchen wir im Geistigen und umso intensiver suchen wir nach dem Privaten und dem Schutz derselben."

Das neue gesellschaftliche Interesse an Religion hat viel mit der Digitalisierung zu tun. Je verwundbarer unser Leib ist, umso mehr Schutz suchen wir im Geistigen und umso intensiver suchen wir nach dem Privaten und dem Schutz derselben. Da das "Digitale" aber eine sphärische Angelegenheit ist, also nichts wirklich Greifbar-Konkretes, ist es schwierig dingfest zu machen was wir machen können um uns zu schützen. Wir haben ja kaum eine konkrete Ahnung davon, wovor wir uns schützen sollen. Und so irren wir umher. Kollektiv zusehends traumatsierter, und suchen nach einer Antwort auf diese Gefahr, die wir eher erfühlen als konkret intellektuell mit altbekannten rationalen Instrumenten erkunden können. Das Trauma und das Umherirren zwischen Links und Rechts bedeutet letzlich, dass unsere alte geistige Ordnung einbricht, und wir eine neue geistige und politische Ordnung und damit eine neue Wehrhaftigkeit und Stärke finden müssen.

"In den 1930er Jahren in Nazi-Deutschland war der erste Schritt auf dem Weg zum Holocaust die autoritäre Katalogisierung und Profilierung der gesamten Bevölkerung, die durch ein bahnbrechendes Informationsaufzeichnungssystem von IBM ermöglicht wurde. Die auf den Armen von KZ-Gefangenen tätowierten Zahlen waren angeblich IBM-Identifikationsnummern."

Ich musste letzlich England verlassen um mich der Hacker-Kontrolle endlich zu entziehen. Ich habe mich erholt. Mein Trauma überwunden und neue Stärken gefunden. Die Kräfte jedoch, die mein Leben in England zermalmten haben sich weiter entwickelt und den Brexit herbeigeführt. Und sie haben nicht nur in der rechts-aussen Flanke der UK Tories Partner gefunden. Sie überwachen die Menschen. Bespitzeln und manipulieren sie schon seit den 90ziger, seit dem Aufbruch in die Digitalisierung. Die englische Civil Rights Organisation Big Brother Watch beschreibt sehr anschaulich die Parelellen zwischen dem "Erfassungs-Programm" der Nazis in den 30ziger Jahren und der digitalen Daten-Erfassung, die vor allem auch durch die "Identitätspolitik" beflügelt wurde. Es gab in England seit den frühen 2000er Jahren überall Formulare, die man ausfüllen sollte, die erkundeten welchen ethnischen Hintergrund man habe, Religion, Hautfarbe, sexuelle Ausrichtung etc. Inzwischen ist mir viel klarer geworden, warum mich das schon damals mit tiefem Unbehagen erfüllte.

"In 1930s Nazi Germany the first step towards the Holocaust was the authoritarian cataloguing and profiling of the entire population, enabled by a pioneering information recording system supplied by IBM. The numbers tattooed on  concentration camp prisoners’ arms were, reportedly, IBM identification numbers."

"In den 1930er Jahren in Nazi-Deutschland war der erste Schritt auf dem Weg zum Holocaust die autoritäre Katalogisierung und Profilierung der gesamten Bevölkerung, die durch ein bahnbrechendes Informationsaufzeichnungssystem von IBM ermöglicht wurde. Die auf den Armen von KZ-Gefangenen tätowierten Zahlen waren angeblich IBM-Identifikationsnummern."
https://bigbrotherwatch.org.uk/all-media/the-human-rights-act-is-a-vital-defence-against-surveillance/

Seit Jahre erfahre ich mehr und mehr von Menschen aus England, wie ihre Daten vom Staat und dessen Institutionen und privaten Firmen missbraucht werden. Zumal dann wenn Wirtschaftsinteressen am Werke sind und mit Politikern korrumpieren. Menschen verlieren ihre Jobs, ihre Zuhause, ihre Kinder, ihre Visas, alles was sie haben. Das nennt sich wohl "wenn böse Hacker böse Wirtschaftsbosse und Bankiers treffen", und vorallem "böse Politiker". Diese Übernahme unseres öffentlichen Lebens, unseres Staates und unserer Institutionen, dies sind die Dinge um die es heute geht. Terror, die neue Rechte und all das, wächst aus diesem Morast von Gehacke, Korruption und Manipulationen. Der derzeitige Kulturkampf, dieses seltsame Gespenst, dreht sich um dieses Thema - lassen wir diese Kräfte uns übernehmen? Unterwerfen wir uns den Psychopathen?

Ganz aktuell und zum Abschluss frage ich auch - verstehen eigentlich die Deutschen, was es bedeutet, wenn unsere Gesundheitsdaten in einem zentralen System digital archiviert sind? Verstehen wir die Gefahren was eben jetzt in der BRD als "digitale Gesundheitsakte" avanciert wird (mit diversen IT Firmen im Hintergrund die dafür sehr viel Geld erhalten)? Der Hacker der mich stalkte, hat für solch eine "Gesundheitsdaten-IT-Firma" gearbeitet. Bei Rückkehr nach Deutschland stellten mein Mann und ich fest, dass jemand den Namen meines Mannes als Vater unseres damals noch ungeborenen Kindes aus meiner NHS (National Health Service) Gesundheitsakte (eine digitale Akte in einem zentralen System) herausgelöscht hatte. Dieser Akt hat viele Bedeutungen, und viele juristische und strafrechtliche Implikationen bis hin zum Kinderschutz.

"Ein Land, dass so viel auf die Digitalisierung und Zentralisierung von Bürgerdaten bzw "Untertanen-Daten" gesetzt hat (England ist ja nach wie vor eine Monarchie) hat nicht einmal mehr die Kraft und Resourcen seine Einwohner vor Hacker-Angriffen geschweigen denn Faschisten zu schützen."

Doch uns sind zur Aufklärung der Sache die Hände gebunden. Wir können der Sache nicht auf den Grund gehen. Die deutschen Behörden sind nicht zuständig. England und die NHS ist zu marode um eine Untersuchung anzustrengen. Ein Land, das so viel in  die Digitalisierung und Zentralisierung von Bürgerdaten bzw "Untertanen-Daten" investierte (England ist ja nach wie vor eine Monarchie) hat nicht einmal mehr die Kraft und Resourcen seine Einwohner vor Hacker-Angriffen geschweige denn Faschisten zu schützen.

Trotz all dieser Ereignisse, trotz Brexit, Trump, trotz Troll-Armeen und einem Datenmissbrauchsskandal nach dem anderen - die Öffentlichkeit in Deutschland und der EU tut sich weiterhin schwer zu verstehen, wie gefährlich das Digitale wirklich sein kann. Ich kann mir das derzeitige Entsetzen über das Offensichtliche nicht anders erklären. Vielleicht ist der Hackerangriff vom Januar 2019 ja endlich der grosse, notwendige Augenöffner. Solange aber die systemischen Kräfte und Gefahren nicht verstanden werden - also die Kräfte im tiefen Inneren der digitalen Maschinerie - stehen wir alle vor einer langsam schwehlenden und anwachsenden Faschismus-Katastrophe. Wir sind als Menschen, Land und Gesellschaft nur dann auch weiterhin sicher wenn unsere Daten sicher sind und wenn Psychopathen, Hacker und Korrupte konsequent bestraft werden. Das sollte unbedingt auch für Bosse grosser Datenklau-Firmen gelten.

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